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Autor Thema: Schönheit muss leiden  (Gelesen 1139 mal)

Pascal Hug

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Schönheit muss leiden
« am: 19. Januar 2012, 19:21:15 »

Leipzig.  Katzen unter Atemnot, Hunde mit Lähmungen, chronisch entzündete Augen. Tagtäglich werden Tierärzte mit den Folgen maßloser Rassezucht konfrontiert. Qualzuchten sind ein großes Thema unter Veterinären.

Die Sängerin Pink punktet bei Tierfreunden mit ihrem quirligen Jack-Russell-Terrier, Partygirl Paris Hilton hält am Chihuahua in Handtaschenformat fest, und Loriot schwor zeitlebens auf den Mops. Kein anderes Tier existiert in so vielen Zuchtformen wie der Hund - und kein anderes Tier wird so sehr modischen Trends angepasst wie der vermeintlich "beste Freund des Menschen". Mit der Kreation von Hunderassen ist viel Geld zu verdienen. Was züchterisch machbar ist, wird maßlos ausgereizt.

Mit den krankhaften Auswüchsen der Rassezucht bei Hunden und Katzen beschäftigt sich von morgen an ein Tierärztekongress in Leipzig, zu dem mehr als 1000 Teilnehmer erwartet werden. Die Veterinäre nämlich sind es, die Tag für Tag mit den Folgen tierquälerischer Zucht konfrontiert werden. Einige Beispiele aus der Hunde- und Katzenzucht.

Eingeschränkte Fortpflanzungsfähigkeit: Die Fähigkeit, überlebensfähigen Nachwuchs selbstständig zur Welt zu bringen, ist bei vielen Qualzuchten eingeschränkt, wenn nicht sogar unmöglich. Ein verhältnismäßig großer, runder Kopf etwa - oft gewünscht, weil er dem Kindchenschema entspricht - führt zu schweren Geburten, weshalb die Jungen oft per Kaiserschnitt geboren werden müssen.

Gebissfehlstellungen, die mit einer extremen Rundköpfigkeit einhergehen, machen es bei der Geburt dem Muttertier zudem unmöglich, falls notwendig die Fruchthüllen aufzubeißen. Ohne Unterstützung des Menschen würden die neugeborenen Welpen ersticken. Ein überstehender Unterkiefer ("Hechtgebiss") erschwert den Tieren zudem das Kauen.

Extreme Kurzschnäuzigkeit (etwa bei Mops, Pekinese und Bulldogge) mit einer ausgeprägten Verkürzung der Gesichtsknochen ist oft mit einer Missbildung des Gaumens und des Nasenknorpels verbunden, was zu Atem- und Schluckbeschwerden führt.

Chronisch entzündete Augen: Hängende Augenlider, die bei zahlreichen Rassen (Bernhardiner, Mastiff, Dogge, Chow-Chow) den typischen Hundeblick ausmachen, fördern Augenentzündungen, die leicht chronisch werden können. Bei extrem rundköpfigen Züchtungen treten die Augen häufig dermaßen aus den Höhlen hervor, dass sie schlecht geschützt und daher extrem verletzungsanfällig sind.

Übergröße und Zwergformen: Bei Hunden ist die Variationsbreite was Größe und Gewicht angeht enorm. Übergroße und schnellwüchsige Rassen (Bernhardiner, Schäferhund, Dogge, Boxer, Sennenhund, Neufundländer, Rottweiler oder Retriever) leiden häufig an Hüftgelenksschäden, die zu Lähmungserscheinungen führen können. Bei Kleinsthunden kann es zu Schädelmissbildungen kommen, aufgrund derer das Gehirn nur unvollständig geschützt ist, so dass ein kleinerer Sturz tödlich enden kann.

Verkürzte oder fehlende Gliedmaßen: Der Dackel hat gemessen an seiner Körperlänge vergleichsweise kurze Beine, was zu Gelenkproblemen ("Dackellähme") führen kann. Stark verkürzt sind auch die Beine des Bassett. Stummelschwanz-Züchtungen gibt es vor allem bei Katzen. Derart verkümmerten Kreaturen fällt es schwer, Bewegungen auszubalancieren. Außerdem fehlt der Schwanz als wichtiges Kommunikationsmittel.

Fell und Haut: Unter einem übergroßen Fell mit Hautfalten, in denen sich Feuchtigkeit staut, leiden die Tiere ebenso wie unter Haarlosigkeit: Nacktzüchtungen (etwa der Mexikanische Nackthund) kühlen schnell aus, bekommen leicht Sonnenbrand, sind verletzlicher und anfälliger für Fliegen- und Pilzbefall.

Fehlende Pigmente: Ein schneeweißes Fell ist vor allem bei Katzen als Zuchtziel in der Kritik. Denn die vollständige Weißfärbung kann über das so genannte W-Gen vererbt werden, das mit schwerwiegenden Defekten der Augen und des Innenohrs kombiniert ist. Die Folgen: Sehschwäche, Schwerhörigkeit oder Taubheit bei der Nachzucht.

Der Deutsche Tierschutzbund fordert von Tierärzten, sich öffentlich kritisch zum Thema zu äußern und gesundheitliche Probleme mit Qualzuchten gegenüber Haustierhaltern anzusprechen. Viele Tierfreunde sind bereits sensibilisiert, wie Pressereferent Marius Tünte und seine Kollegen festgestellt haben. Er empfiehlt, sich vor der Anschaffung eines Hundes bei Tierheimen vor Ort zu erkundigen, beim Verein für das Deutsche Hundewesen (VDH) in Dortmund oder bei Tierschutzverbänden nachzufragen und - falls man bei einem Züchter kauft - sich das Muttertier genau anzuschauen. Denn ein kränkelnder, vorgeschädigter Hund wird schnell Stammpatient beim Tierarzt - nicht nur eine Frage der Lebensqualität für das Tier, sondern auch eine Kostenfrage für den Besitzer.



Quelle: Schönheit muss leiden
Gespeichert
Der Hund ist das einzige Lebewesen auf der Erde,
das dich mehr liebt, als sich selbst.

Josh Billings


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